Wer viel anfängt, muss viel lesen. Diese Liste wird mit der Zahl der Blogartikel wachsen.

 

Cricket

Cricket-Fans betonen gerne, dass ihr Sport der meist- und bestumschriebene überhaupt ist.
Sandy Balfour lobpreist die Poesie des Sportes selbst. JM Barrie ist ein Beispiel für berühmte Literaten, die selbst spielten. Beyond a Boundary gilt vielen als eines der besten Sportbücher überhaupt. Nur der ehemalige County-Cricket-Spieler Ed Smith erfrecht sich, zu behaupten, dass ausgerechnet Baseball die besseren Schreiber hat.

However, hier folgt meine eigene Liste von Empfehlungen.

 

What I love about Cricket

Sandy Balfour

Mein Einstieg in the funny old Game. Eigentlich war ich als Rugbyfan nach Südafrika gekommen, aber dieses Buch weckte mein Interesse für Bat und Ball. Wie oft lockte mich das Cover in das Buch: Landidylle, Kreuzwort-rätsel, Longdrink … das schien vielversprechend. Und es war. Ich habe es während einer wunderschönen Frühlingsreise entlang der Garden Route gelesen – und unternahm so eine weitere wundersame Reise in dieses mir unbekannte Spiel. All die Sätze, die ich fünfmal lesen musste, um zu verstehen, wer da grade was für wieviel Runs oder Wickets oder Overs tut … Sandy Balfour schreibt über die Poesie des Spiels, große Mannschaften, kleine Spleens – eben die Dinge, die er daran liebt. Er hat mich überzeugt.

 

Top 100 Cricketers of All Time

Christopher Martin-Jenkins

Cricket hat nicht nur einen stärkeren Fokus auf das Individuum als die meisten anderen Teamsportarten, seine lange Geschichte sorgt auch dafür, dass die TV-Kommentatoren immer wieder auf diese oder jene Heldentat eines Spielers aus den 1930ern verweisen. Also brauchte ich ein Buch wie dieses, um die ganzen Schwänke zu verstehen. Es hat mir wohl gedient.

 

Art and Science of Cricket

Bob Woolmer

Offenbar die (südafrikanische) Bibel des Cricketspiels: 655 Seiten aus der Feder des – vor einigen Jahren unter mysteriösen Umständen verstorbenen – Cricket-Professors Bob Woolmer und des – echten – Sport-Professors, Tim Noakes. Wenn ich diese 655 Seiten einmal gelesen habe, werde ich viel mehr über Cricket wissen. Nur dummerweise wiegt das Ding mehr als ein Cricket-Bat. Klarer Fall für ein Kindle.

 

The Art of Captaincy

Mike Brearley

Als der Grobmotoriker und Ballspastiker, der ich bin, interessierte mich natürlich der ausgerpägte Taktik- und Strategieaspekt des Spiels – das Mindgame. Im Gegensatz zum Fußball ist es beim Cricket wirklich der Kapitän, der die Entscheidungen trifft, und das beste Buch über Captaincy ist laut verschiedener Artikel, die ich las, immer noch das von Mike Brearley. Dem ehemaligen England-Skipper wurde oft vorgehalten, ohne seine herausragenden Fähigkeiten in Sachen Taktik und Mannschaftsführung hätte er sich nicht für das Nationalteam qualifiziert. Ich habe das Buch begonnen mit dem festen Vorsatz, die Feinheiten des Spiels zu lernen. Nun, das wird wohl noch ein bisschen warten müssen. Vielleicht bringe ich erstmal das Buch von Woolmer zu Ende.

 

Penguins Stopped Play

Harry Thompson

Eine (wahre) Geschichte, wie für mich gemacht: Elf untertalentierte Village-Cricketer reisen rund um den Globus, um auf jedem Erdteil ein Match zu spielen. Ich habe das Buch sehr genossen, und zwar als Hörbuch. Auch wenn ich Englisch zu lesen mittlerweile mühelos finde, Englisch zu hören fordert doch viel Konzentration. Zu hörte ich den (eigentlich) achtstündigen Erlebnisbericht bei halber Geschwindigkeit (nein, es klang nicht wie Micky Maus, es war einfach besser verständlich). Weil ich Hörbüchern oft zum Einschlafen lausche, musste ich immer wieder zurückspulen und hörte somit sicher 20 Stunden lang den Eskapaden der Knallköppe zu, die Harry Thomson für diese Reise versammelte. Ich fühlte mich ihrer Gruppe so sehr verbunden, dass ich dem Typen, der seine Kumpane mehrfach im Stich ließ und verarschte, Eine kleben würde, wenn ich ihn träfe. Mehr noch, ich verdrückte wirklich eine Träne zum Ende des Buches, das mit dem Tod des Autors, übrigens einem Tintinologen der ersten Stunde, endete.

 

Beyond a Boundary

C.L.R. James

Mit diesem Buch habe ich noch nicht einmal angefangen (!). Es ist meine jüngste Anschaffung, thront lockend im Regal und wartet, dass ich Zeit für es habe. Es wird in diversen „Die ultimativ allerbesten Sportbücher aller Zeiten und darüber hinaus“-Listen stets weit vorne geführt und Kritiken versprechen, dass das noch untertrieben sei. Es biete dem Leser weiterhin eine Einführung in die westindische Kultur überhaupt und marxistische Gedanken obendrein. Ganz gemäß dem berühmtgewordenen Satz (seinerseits frei nach Kipling): „What do they know of cricket who only cricket know.“

 

Peter Pan’s First XI

Kevin Telfer

Das Buch ist eine Biographie des „Peter Pan“-Autors J.M. Barrie aus Cricket-Perspektive. Für den gebürtigen Schotten stellte Cricket offenbar eine Eintrittskarte in die englische und einen Zufluchtsort von der weltlichen Gesellschaft dar. Er gründete ein Einladungsteam aus Schriftstellern und anderen Freunden namens „The Allahakbarries“. Die Verweigerung gegen sogenannte Realitäten war mir sehr sympathisch, aber sonst fällt der Band eher unter „Kann man lesen, muss man nicht“.

 

Playing hard ball

E.T. Smith

Ein schönes Beispiel für meine Anfängerei ist, dass mein Interesse für Cricket irgendwann dazu führte, dass ich mich für Baseball zu interessieren begann. Zwischen Baseball und Cricket bzw. ihren Verfechtern gibt es eine ewige spöttische Verachtung. Die einen nennen Cricket gerne „Baseball auf Valium“. Für die anderen ist ‚Softball‘ ein kulturloser Hau-drauf-Abklatsch des weit älteren Cricket. Wie angenehm ist es, dass mit dem ehemaligen Cricket-Profi und Baseballfans Ed Smith eine berufene Stimme einen detailierten Vergleich zieht. Sowohl die Spiele (der Pitcher im Baseball entspricht in seiner Verantwortung eher dem Batsman und nicht dem Bowler) als auch deren Metaebenen (Baseball habe die besseren Schreiber) werden klug in Bezug zueinandergesetzt. Ein Buch für sportliche Völkerverständigung.