Indem ich hier auf dem Sofa sitze und dies schreibe, gehe ich den Weg des geringsten Widerstandes. Denn genau jetzt (am Montagabend) könnte ich das zweite Mal zum Judotraining gehen. Tue ich aber nicht. Denn am kommenden Wochenende will ich ein zweitägiges Cricketmatch auf Helgoland spielen. Und von den Schmerzen meines ersten Besuchs im Judozentrum habe ich mich gerade so erholt. Daher ist es ausgeschlossen, heute zum Judo zu gehen. Denn dann könnte ich unmöglich am Wochenende Cricket spielen, versteht sich.

Dass mir die gesamte Woche alles wehtat, liegt weniger am Judo, als an meinem Körper und meiner Dummheit.

Nach einiger Webrecherche und einem Anruf beim freundlichen Trainer des Wandsbeker TSV Concordia suchte ich also letzten Montag erstmalig das Training auf. Stine ließ sich breitschlagen mitzukommen, sind wir doch immer wieder auf der Suche nach einem potentiell gemeinsamen Hobby.

Es fing mit einem Barfußfußballspiel auf der komplett mit Judomatten ausgelegten Halle an. Wer ein Tor kassierte, musste zehn Liegestützen machen. Ich machte fünf halbe. Und als das Spiel fertig war, war ich es auch. Doch dann ging es ans Aufwärmen. Fünfmal die Halle hin- und herlaufen. Einmal die Halle langkriechen mit weiteren Liegestützen nach jeder Körperlänge. Einmal die Halle langpurzelbaumen. Und noch weitere Übungen die Halle entlang. Ich erinnere mich nicht mehr. Ich erinnere mich an gar nichts mehr.

… bis dann das Judotraining anfing. Wir sollten uns einen Partner suchen. Ich hatte bei meiner vorhergehenden Internetrecherche gelesen, dass es verpönt sei, immer nur mit seinem/einem Lieblingspartner zu üben. Also überließ ich Stine sich selbst, hob die Hand und fragte, wer einen Anfänger wolle. (Es hieß, es seien auch immer Anfänger da. Aber ich glaube nicht, dass ich irgendwas Helleres gesehen hätte als braune Gürtel.) Ein junger Mann nickte mir grummelig zu. Was folgte, war nicht meine erste Judoübung. Wir mussten den Partner huckepack nehmen und dann 50x die Fersen in die Luft stemmen. Der Arme.

Aber danach ging es los mit den mit Partnerübungen. Der Trainer machte den alten Hasen eine Übung vor und kam dann zu Stine und mir, um uns die Basics beizubringen. Das heißt beim Judo: Fallschule.
Wir ließen uns also fallen. Erst rückwärts, dann seitwärts. (Man sollte nicht meinen, dass es nicht gleich leicht ist, zur einen oder anderen Seite zu fallen.) Beim Fallen musste man mit den Armen auf die Matte klatschen. Dadurch zwingt man sich dazu, sich nicht mit dem Arm abstützen zu wollen. Denn dabei könnte man sich verletzen. Bei der ganzen Fallerei wurde mir schon recht duselig.

Schließlich sollten wir vorwärts fallen. Genauer: eine Judorolle machen. Dabei lässt man sich, den Arm um den Kopf, nach vorne abrollen. So ganz habe ich das nicht verstanden. Was ich verstanden habe, war, dass ich anscheinend keinen richtigen Purzelbaum kann. Ich setze dabei nämlich den Kopf auf, weil meine Pommesärmchen meinen Luxuskörper nicht halten können. Das tut nach einigen Purzelbäumen ziemlich weh. (Mir tat es noch am nächsten Tag so weh, dass ich mit einem von mir selbst diagnostizierten Verdacht auf eine gaaaanz leichte Hirnerschütterung zum Arzt ging. Der hatte allerdings Mühe, mich nicht auszulachen, lobte mich aber für meine Vorsicht. Ich solle das Training beim nächsten Mal doch besser etwas ruhiger angehen.)

Was meine Purzelbaumkünste angeht: Wenn ich den Druck auf den Kopf verringern will, muss ich meinen Körper möglichst schnell vornüberschleudern, indem ich bei der „Rolle“ abspringe. Dann knalle ich aber recht heftig auf. Als der Trainer das Drama sah, schlug er schnell vor, ein paar Würfe zu üben.

Finally! Er zeigte uns Oki-bushi-naki (oder so), die „große Innensichel“. Man packt den Partner am linken Handgelenk und rechts am Kragen, tritt erst an ihn ran und dann seinen Fuß nach außen weg. Dadurch fällt er nach hinten. Und ich muss sagen, es funktioniert: Ich fiel. Stine hatte mich umgelegt.
Wir wiederholten das einige Male und tauschten dann. Sicherlich hatte ich im Vergleich zu ihr leichte Gewichtsvorteile darin, meine Partnerin kontrolliert auf den Boden zu werfen – also ihren Arm beim Wurf nicht loszulassen. Ich knallte hingegen, wenn Stine mich warf, stets fröhlich auf den Rücken.

Danach folgte ein Hüftwurf, welcher auch ein großer Spaß war. Danach machten wir noch ein bisschen Bodenkampf. (Höhöhöhö.) Zwei Haltegriffe – und ich muss sagen, ich hatte keine Chance, mich Stines Charme (aka Griff) zu entziehen.

Das war’s! Eine Abschlussrunde mit Niederknien und Verbeugen, wir dankten dem Trainer, und zumindest ich versprach wiederzukommen. (Stine ist in diesem Augenblick beim Squash; ich denke, das war’s mit ihrer Judokarriere.)

Meine Dummheit bestand noch darin, dass ich im Anschluss mit meinem Kickboard durch das verregnete Hamburg sauste, um einen auf ebay erstandenen Golfschläger (Spoiler!!!) abzuholen. Ich knallte mich dabei auf den nassen Gehwegplatten hin und fügte mir den miesesten blauen Fleck des Abends bei. Aber keine Bange, bis zum Cricketmatch ist der wieder weg.