Wir sind Weltmeister. Und das meine ich so. Du! Und Du! Und Du! Und ich. Dabei war ich früher der kleine, dicke Junge, der beim Fußball auf dem Ascheplatz am Boden saß und lieber im „Sand“ spielte. Ich war der Teenager, der die Deutschlandfahne ankokelte und mit Tote-Hosen-Knochenadler bemalte und der das EM-Finale 1996 nicht geguckt hat, sondern den Tatort.
Seit 1996 habe ich aber kein deutsches Spiel bei einer Endrunde mehr verpasst. Das bedeutete aber auch, dass ich in meiner Eigenschaft als deutscher Fußballfan bis jetzt titellos blieb. Viel könnte ich darüber schreiben, wie es sich anfühlt, mit dem Fan-Sein anzufangen, und werde es sicher auch nochmal tun. Hier geht es aber erstmal um die WM, das Wir und die Mannschaft.


Wir sind also wieder Weltmeister. Wir sind da, wo wir hingehören:
20 WMs gab es. 18-mal hat Deutschland die Qualifikation angetreten und sie 18-mal geschafft. Nur ein einziges Mal wurde die „Runde der letzten Acht“ (je nach Modus das Viertelfinale oder eine Finalrunde) verfehlt. Das war allerdings 1938, und zu dieser Zeit klingt ein deutscher Misserfolg in meinen Ohren nur recht und billig. (Ich finde, WMs von vor dem Krieg sollten gar nicht zählen, dann wären die Italiener auch runter auf zwei Sterne – und das passt doch viel besser zu ihnen.)
Bis ins Halbfinale ging es satte 13 Male – und somit nur ganze fünfmal (!) nicht. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Deutschland war häufiger im WM-Halbfinale als Holland bei einer WM! Acht Finalteilnahmen hat Deutschland auf dem Buckel, und seit dem 13. Juli 2014 vier Titel. Von all diesen Zahlen reicht nur die Zahl der Titel nicht zum Weltrekord. (Den nehmen wir Brasilien dann 2018.)
Und bei Europameisterschaften sieht es ähnlich aus. Je drei erste und drei zweite Plätze sind Rekord, genau wie 11 Teilnahmen. Insgesamt erreichte Deutschland in 29 großen Turnieren 14-mal das Finale. Fast 50%. Das ist so ridiculously viel, dass andere Fußballnationen verblassen müssen. Man denke nur an die Engländer, die genau … ein Finale erreichten – und das auch noch durch ein irreguläres Tor gewannen.

WM-Tabelle groß

Dieses hübsche Diagramm habe ich aus Wikipedia-Daten zusammengebastelt. Hier kann man erkennen, dass Deutschland in den meisten Belangen führend und Brasilien das einzige Land ist, das da mithalten kann. Beide kamen je 17-mal unter die „Letzten Acht“ – öfter als jedes andere Land es überhaupt zur WM schaffte.

 

In solchen Zahlenspielen konnte ich mich also in den letzten Wochen verlustieren, mich hineingraben und darin suhlen. Überhaupt war diese WM für mich eher eine introvertierte. Das Wetter und die Anstoßzeiten ließen mich die meisten Spiele zuhause sehen. Meist geschah das nur in Begleitung meiner Freundin, die ihrer drohenden Frühschicht entgegenschlummerte, während ich unruhig auf dem Sofa neben ihr hin- und herhibbelte. Wenn das erste Tor fiel, sprang ich nicht auf oder brüllte meinen Jubel heraus, sondern atmete durch, um einen Stein vom Herzen rollen zu lassen. Diese Nationalmannschaft war einfach reif, datt Dingen mal zu gewinnen, fand ich. Nach den zweiten und dritten Plätzen der letzten Jahre, wäre es so brutal unfair gewesen, wenn diese stetig verbesserte Mannschaft früh gescheitert wäre. Und früh heißt in diesem Fall: vor dem Halbfinale. Wie oben angedeutet fängt eine WM für Deutschland traditionell erst mit dem Viertelfinale an. (Friss Staub, Italien!) Und seit den dunklen Zeiten, als man 94 und 98 eben im Viertelfinale „vorzeitig“ scheiterte, beginnt sie für uns nicht vor dem Halbfinale.

Zurück zum gerade vergangenen Turnier: Im engen Viertelfinale gegen eine gute französische Mannschaft (Chapeau, la France!), hibbelte ich auch nach Hummels’ frühem Tor weiter. Und als meine Freundin auf dem Sofa neben mir meine Hand ergriff, zuckte sie zurück ob meiner kalten feuchten Finger.
Das Wort „Fan“ kommt zwar offensichtlich von Fanatismus, das geeignetere Wortfeld zur Beschreibung von Fans scheint mir aber das um „Passion“ und „Pathos“ zu sein. (Wobei solche ethymologischen Herleitungen immer mit Vorsicht zu genießen sind.) Der Grieche weiß: Wir sprechen vom Leiden. Und das tun Fans, wie jeder weiß, der es ist … oder zumindest „Fever Pitch“ gelesen hat.
Aber da sind auch „Sympathie“ oder gar „Empathie“. Die jungen Burschen sind mir – und, wie mir facebook zeigt, auch vielen anderen – verdammt sympathisch. Sie haben Spaß, sind füreinander da und clever genug, gute Witze zu reißen. Podolski ist immer mit einem Spruch und einer Trinkflasche am Start, Müller sprengt jedes Interview (s.u.), Özil spendet seinen Gewinn für leidende Kinder, Klose schleppt seinen Kadaver demütig zum WM-Tor-Rekord. Wer Typen vermisst, ist ein komischer Typ. Jogi ist nicht nur verliebt in dieses Team, es sei gar eine tiefe Liebe. Für meine Person reicht aber „verknallt“ völlig aus.

 

 

Und meine Lieblinge verteidige ich vehement! Das Gemecker nach dem Algerien-Spiel ging mir auf den Senkel, und die Hochsterilisierung des #Gauchogate machte mich phasenweise wütend.
Diese Fußballer lassen sich nicht von Algerien in Bedrängnis bringen, weil sie keinen Bock haben, sondern weil Algerien eine gute Taktik wählte und diese auf dem Platz dann auch flutschte. Dass Messi aus dem Nichts ein Tor erzielen kann, akzeptiert jeder. Dass Algerien es kann, wollte jeder als Schwäche der deutschen Mannschaft sehen – insbesondere nach dem bisherigen Turnierverlauf. Das Spektakel gegen Portugal schraubte die Erwartungen mal wieder hoch. Zwei scheinbar glanzlose Partien danach ließen sie sinken und im Zitterachtelfinale gegen den Underdog wandelten sie sich in Unmut.
Man kann’s auch anders sehen; realistischer, positiver: Ein schnelles Elfmetertor und Pepes Dummheit schenkten Deutschland einen leichten Start ins Turnier, aber das Team behielt Bodenhaftung. Gegen ein spielerisch starkes Ghana gelang der Mannschaft das Comeback, und gegen die USA erledigten die Spieler – wie so oft – ihren Job mit einem nie gefährdeten Sieg und schüttelten nebenbei noch alte Geister ab: mit dem Nichtnichtangriffspakt von Recife.

Jogis Marathon-Allegorie nahm Form an: Von Portugal bis Algerien wurde nicht alles schlechter, sondern bestimmter. Ich sah Algerien nach der Vorrunde als den deutlichsten Underdog aller Achtelfinalisten – und das war weit gefehlt. (Das war dann wohl Uruguay, deren Gruppe ja auch ein Witz gewesen war.) Aber auch während des Spiels, als ich Algeriens Qualitäten erkannte, zweifelte ich nie am Weiterkommen der deutschen Mannschaft. Ich hatte ein Urvertrauen in sie, das bis zum Schluss nur angesichts der Furcht vor einem Messi wackelte, der nie erschien.
Fans sind Supporter oder sollten es sein. Kritisieren kann man später oder es am besten denen überlassen, die was davon verstehen. Journalisten müssen keine Fans sein, eigentlich sollten sie es auch nicht. Aber sie könnten mehr Empathie zeigen. Von mir aus darf die sich dadurch ausdrücken, dass man von Interviews direkt nach Spielen einfach absieht. Denn viel sollte man davon eh nicht erwarten. Nicht einmal von einem relativ reflektierten Spieler wie Per Mertesacker. (Seine auf dieses Interview folgenden facebook-Posts zeugen jedenfalls von Humor und Reflexion.)

 

 

Vielleicht stimmt es sogar, dass viele Deutsche sich bei den letzten beiden WMs mehr darüber freuten, dass die Welt uns nun (für unseren Fußball) bewundert und uns liebt, als dass die Halbfinalniederlagen schmerzten. Aber das war ja nun erreicht. Aber sowas von. Ich bin da ganz bei Per: Nun war es Zeit zu gewinnen.

Und als sie dann gewonnen, im Halbfinale die Brasilianer getröstet und nach dem Finale ihre Kinder spazieren geführt hatten, sollten sie die ganze gewonnene Sympathie mit einer Fan-Choreo wieder verspielt haben? Die spinnen, die Qualitätsmedien! #Gauchogate ließ mich ein paar Tage lang genüsslich zürnen, denn es war für mich eher ein #Mediengate. #SogehtdieFAZdieFAZgehtso …
Das Argument gegen die Gauchogate-Kritik kann natürlich nicht sein, wie so oft gehört, dass man nicht über alles meckern muss. Meckern muss erlaubt sein. Das treffende Argument ist ganz platt, dass die Meckerer den Kontext außer Acht ließen – oder ihn gar nicht verstanden.

Wer im „Gaucho-Dance“ ein Eigentor sieht, hat keine Ahnung vom Fußball, jedenfalls nicht von Fankultur. Einander zu verspotten, gehört dazu. Das ist der Zweikampf, der auf den Rängen stattfindet. Fußballgesänge sind wie Rap-Battles. Und man möchte ja wohl nicht, dass Eminem Schlager singt. Wer nicht Gefahr laufen möchte, verspottet zu werden, sollte nicht an einer WM teilnehmen.
Wer im „Gaucho-Dance“ sogar Rassismus sieht, muss Rihanna ob ihres Tweets „my nigga Klose“ auch Rassismus vorwerfen. Oder Marius Jung für sein Buch „Singen können die alle – Handbuch für Negerfreunde“.
Das platte Gaucho-Liedchen bezieht sich auf die Niedergeschlagenheit des Unterlegenen und wird im Fußballalltag über wahlweise Bayern, Kölner oder Hamburger etc. gesungen, und da würde man ja auch nicht von Rassismus sprechen. Zum Vergleich: Eine Banane mag viele positive Eigenschaften haben, ist im Fußball(fan)kontext aber ein deutliches Indiz für rassistisch motivierte Handlungen.

 

 

Also: Rassismus nein, Hohn ja – und womit? Mit Recht. Dem Recht des Stärkeren bzw. Siegreichen. Die Argentinier selbst haben wochenlang das arme Brasilien mit einem Spottlied bedacht, das Argentiniens neue Nationalhymne zu werden drohte. Wie es sich anfühle, wenn ihr schlimmster Feind in ihrem Hause feiere, fragten sie darin die Brasilianer. Dabei hatte Argentinien da noch gar nicht viel zu feiern, sondern schleppte sich von einem magren Arbeitssieg zum nächsten. Und nicht nur die Fans sangen es, sondern auch die Mannschaft, wie dieses Video zeigt. (Man fragt sich, ob der Druck auf Messi kleiner wurde, als selbst seine Mitspieler sangen, dass er ihnen den Cup holen wird.)

 

 

Um die Brasilianer muss es einem nicht leid tun, die können sich wehren (s.u.). Aber um die Argentinier auch nicht. Reibt ihnen das Salz in die Wunden, diese schadenfrohen Würste! Sing *Argentina, me diz como se sente…*

 

 

Diese Liedchen belegen auch nochmal, dass beim Fußball neben Passion, Sympathie, Empathie auch der vorhin schon genannte Pathos mitspielt. Ein Spiel wie #BRAGER ist eine Einladung, moderne Mythen zu schaffen. Das Wunder von Belo. Das Mineiraço. Die höchste Niederlage der brasilianischen Fußballgeschichte. Der höchste Sieg in einem WM-Halbfinale. Das Spiel, das einen neuen Twitter-Rekord aufstellte. Das Spiel, in dem Miro Klose dem dicken Ronaldo (dem Echten) den WM-Torrekord klaute. Und – was weniger bekannt ist – das Spiel, in dem Deutschland mit diesen irrwitzigen sieben Treffern auch Brasilien insgesamt den WM-Torrekord klaute. Denn nach diesem Spiel hatten die Deutschen bei WMs 223 Tore erzielt und die Brasilianer 221.

Twitter Rekord

Das Twitter-Gewitter nach dem 5:0.

 

All das muss man genießen, ausleben, herausposaunen. Oder muss man? Natürlich nicht. Aber ich will es. Es macht Spaß. Es erfüllt mich mit Freude. Ein bisschen davon Schadenfreude. Der darin steckende Nationalismus ist schwierig zu fassen. War 2006 – die WM, die ich mit Abstand am intensivsten durchlebte – ein Sommermärchen, das ein ganzes Volk befreite und ihm einen harmlosen, positiven Nationalismus möglich machte? Haben jene Recht, die sich die mit Freude erworbenen Zweiten und Dritten Plätze der vergangenen Jahr zurückwünschen, wenn sie während des aktuellen Turniers alkoholisierte Deutschland-über-Alles-Aussagen beobachteten? Ich halte beides für berechtigt. Ich labe mich an der deutschen Mannschaft und ihren Erfolgen, singe zum Entsetzen meiner Freundin vor dem Spiel die Hymne mit (in einer eigens umgeschriebenen, genderneutralen Version), aber ich habe die Fanmeilen gemieden. Lieber Party-Nationalismus als Nationalismus-Party.

Einen spannenden Aspekt dazu bieten die USA. Die waren bislang dafür bekannt, ihre eigenen Sportarten zu erfinden, um den nationalen Meister dann forsch „World Champion“ nennen zu können. Beim Basketball wackelte dieser Status mit jeder Niederlage des US-Teams zwar, aber dennoch kann man an der Vorherrschaft der USA nicht rütteln. Fußball war in Amerika lange Zeit ein „Frauen-Sport“ bzw. der Sport der eingewanderten Hispanics, also zweier als marginal anzusehender Minderheiten. Aber nun konnte man in amerikanischen Medien lesen, der Sport und das öffentliche Interesse daran wachse.
Ich mochte die Vorstellung. Die US-Amerikaner verfolgen ihr Team mit Hingabe bei einem Sportevent, das in seiner Gesamtheit nunmal doch viel größer ist als Super Bowl und World Series und bei dem ihr Team nur eines von vielen ist – ein Mitläufer, maximal ein Herausforderer. Ein glücklicher Sieg gegen Ghana, das sie bei den letzten beiden WMs noch rauswarf, wird gefeiert. Ein kleines Land wie Belgien ist im Achtelfinale gegen die USA deutlich favorisiert (gewinnt aber nicht so deutlich). Und die Spieler werden dennoch gefeiert. Willkommen auf der Erde, Amerika.

 

 

Vom Feiern in Deutschland war ich allerdings einigermaßen enttäuscht. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an den späten Anstoßzeiten. Vielleicht sind die Deutschen Fans zu verwöhnt: Vier Halbfinals in Folge hat noch keiner geschafft. Und bei den letzten vier WMs hat Deutschland 62 Tore geschossen und Klose allein 16. England hat im gleichen Zeitraum 17-mal getroffen, Rooney allein … einmal.
Vielleicht auch zeigte mir nun Hamburg einfach sein wahres hanseatisches Gesicht. Nach der Pokalübergabe fuhr ich auf den Kiez und saugte im Regen ein bisschen von der Stimmung ein, aber davor und sogar schon wieder am nächsten Morgen, blickten die Leute recht sauertöpfisch drein.

Seh'n so Sieger aus?

Seh’n so Sieger aus?

Die EMs 2008 und 2012 habe ich im Ausland verfolgt, beide Male in Ländern, die selbst nicht dabei waren. Als „Auswärtsfan“ hat man es immer leichter zu feiern. Als Landsmensch des erfolgreichen deutschen Teams erwarten die Leute ja, dass man sich freut. Hier war es nun so, dass man – bis zur 30. Minute des Halbfinales – die Siege trotzig abwartete, wenn man nicht ohnehin davon genervt war. 2016 nehme ich mir dann zwei Wochen Urlaub und fahre nach Frankreich.

Im Ausland begegnete ich natürlich auch immer wieder Clichés über die Deutschen, die ich meist leugnete. Bei manchen Clichés diente ich auch als Gegenbeweis in Person: Dass wir alle Autos mögen, Bier über alles lieben und immer zuverlässig sind. Aber auch den langweiligen, eher negativen Vorurteilen widersprach ich fleißig: Dass sie nicht feiern könnten zum Beispiel. Aber vielleicht stimmt es doch. (Ich selbst kann jedenfalls nicht als Gegenbeweis dienen.)
Ein Vorurteil, von dem ich bei dieser WM immer wieder in ausländischen Medien las, war das der „deutschen Maschine“. Wahrscheinlich war es sogar ein Stück weit ein Kompliment. Was ich nie verstand, war die Gegenüberstellung der deutschen Maschine mit südamerikanischer Magie. Welche Spiele guckten diese Schreiberlinge? Wohl kaum die der Treter, Maurer und Zerstörer aus Brasilien und Argentinien. Ähnlich wie bei Portugal – und mit Abstrichen Holland – hieß es da doch: „Hinten dicht, und vorne hilft der liebe Gott.“ (Not!) Wobei Gott dann jeweils die arme Sau war, die als Superstar herhalten musste. Aber wie sagte (lies: twitterte) Steven Gerrad so schön?

Germany have a team

 

Ich finde, dass Deutschland in den letzten 10 Jahren den inspiriertesten Fußball gespielt hat. Noch vor den Spaniern, bei denen die Inspiration nur von 2007 bis 2012 hielt. Es mag was Maschinenhaftes haben, aber das Spiel der Deutschen ist aktuell o jogo bonito by Jogi bonito.

Und sonst? Spanien, Italien, England und Portugal rausgerumpelt. Costa Rica überrascht – zum Glück auch die Griechen, die es schafften, mit 2:4 Toren die Vorrunde zu überstehen. Chile und Mexiko scheitern leider früh. Uruguay zum Glück. Belgien erreicht mit gedrosseltem Motor das Viertelfinale, womit sie zufrieden sein und worauf sie aufbauen können. Das Gleiche gilt für Frankreich, die mich am meisten überzeugten und die sich auf eine gute Heim-EM 2016 freuen können. So wie ich. Vermissen werde ich aber den Philipp. Große Entscheidung, auf dem Höhepunkt abzutreten. Auch wenn Gary Lineker seine Zweifel hat:

Lineker on Lahm

 

Wünschten wir bislang, Lahm möge rechts und links gleichzeitig spielen (und von mir aus auch im Mittelfeld), wünschte man sich nun, es kämen von irgendwoher zwei Außenverteidiger. Warum haben die Förderprogramme des DFB seit 2000 zwischen all den Mittelfeldspielern, Innenverteidigern und Torwarten nur die Außenverteidiger vergessen? Was macht man da? Alaba einbürgern? (Er könnte mit Jérôme Boateng und Marius Jung ein Buch schreiben.) Wie Großkreutz nun auch Podolski zurückziehen? Darauf vertrauen, dass Schmelzer irgendwann internationale Klasse erreicht? Dass Durm ’ne Granate wird oder Höwedes doch noch Roberto Carlos?
Und wer folgt auf Klose? … Kruse? Volland? Naja, höchstwahrscheinlich doch wieder: Klose. Oder hält Gomez die Stellung, bis ein „neuer Klose“ kommt oder bis das 4-2-5-0 sich endgültig durchsetzt? Oder braucht man doch auch zukünftig im 23er Kader wenigstens einen Strafraumstürmer? Alles egal, wer einen Neuer hat, braucht keinen Neuner.

Gold Glove Winner Neuer

Ich vertraue auf Jogi und den nicht enden wollenden Strom hochkarätiger deutscher Spieler, allein die Schalker Draxler, Meyer und Goretzka. Und ich vertraue auf Steven Gerrard (siehe oben). 1954 war’s der Geist von Spiez. Nun war es der Geist von Bahia. Merte, du Weltmeister, reich uns das Wasser! Christoph Kramer ist ein Weltmeister wie alle anderen 22. Auch Podolski und Mustafi. Auch Großkreutz, Durm und Draxler. Und Reus. Und Bender und Bender und Gündogan. Dieser WM-Gewinn ist das Ergebnis einer langen Reise mit vielen Gefährten. Jogi & Hansi & Andi & Olli. Und Klinsi. Sogar Berti. Ballack und Lehmann. Mario Gomez, Stefan Kießling und David Odonkor. Ich habe immer an Euch geglaubt.